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Fachthemen: Theoretisches Hintergrundwissen für die praktische Arbeit

Die Themen und Bedarfe der traumatisierten Kinder und ihrer leiblichen Familien entwickeln sich mit der Zeit. Das Erziehungsbüro Rheinland arbeitet in etlichen Arbeitskreisen und Fachgremien an der wissenschaftlichen und theoretischen Aufarbeitung spezifischer Problematiken mit. Zu weiteren Themen kann das EBR aufgrund langjähriger Erfahrung und konzeptioneller Kenntnisse konkrete Leistungen anbieten.

ADHS

ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Kinder und Jugendliche, die an dieser Störung leiden, zeigen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwächen, impulsives Verhalten und häufig eine ausgeprägte motorische Unruhe. Sie unterscheiden sich von anderen Kindern und Jugendlichen in dem Ausmaß, in dem diese Probleme auftreten, in ihrer Dauer und dadurch, dass sie verschiedene Lebensbereiche betreffen. Die Problematik beeinträchtigt die Entwicklungschancen betroffener Kinder und Jugendlicher erheblich.

Das Kompetenznetzwerk ADHS Köln ist ein Zusammenschluss von Fachleuten verschiedener Professionen, die in Köln und Umgebung Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ADHS sowie deren soziales Umfeld beraten/behandeln. Das Erziehungsbüro Rheinland war an der Gründung des Netzwerkes maßgeblich beteiligt und ist nach wie vor Mitglied.

Weitere Informationen:
www.adhsnetz-koeln.de
www.adhs-deutschland.de

Beschwerdemanagement

Das EBR pflegt ein strukturiertes Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren für Kinder und Jugendliche in den Erziehungsstellen und Sozialpädagogischen Lebensgemeinschaften. Das Ziel ist es, Grenzverletzungen oder Übergriffe frühzeitig zu entdecken, zu behandeln und zu verfolgen.

Zu den Maßnahmen gehört ein Elterntelefon für Herkunftseltern, Verwandten oder Bezugspersonen der betreuten Kinder und Jugendlichen, das Verteilen von Broschüren zum Thema Schutz von Kindern und Jugendlichen (Du bist bei uns willkommen) und das Gespräch über dieses Thema, wenn Kinder in ihrer Pflegefamilie einziehen. Weiterhin gibt es Aushänge oder anderweitige Veröffentlichungen von Adressen externer Beratungsstellen und Sorgentelefone. Alle Telefonnummern, Mail- und Postadressen der für die Betreuung und Jugendhilfe Verantwortlichen sowie der Bezugspersonen der betreuten Kinder und Jugendlichen in den Pflegefamilien stehen allen Beteiligten offen (mit Ausnahme der aus Sicherheitsgründen beschränkten Kontakte).

Einen Flyer zu unserer Beschwerdestelle für Kinder und Jugendliche finden Sie in der Mediathek.

Care Leaver

Care Leaver sind junge Menschen, welche die Fürsorge durch stationäre Jugendhilfe verlassen. Das Ende der Jugendhilfe ist eine sensible Übergangsphase. Für die jungen Erwachsenen ist sie meist mit besonderen Herausforderungen verbunden: Mangel an Ausbildungsplätzen, Mangel an oder konfliktgeladener Kontakt zur Herkunftsfamilie, Mangel an der Fähigkeit, ein tragfähiges soziales Netzwerk aufzubauen, Mangel an finanziellen Ressourcen und Orientierung bei der Berufswahl und Lebensgestaltung.

Es ist wichtig, dass Care Leaver an dieser Schnittstelle nicht alleine sind. Zu geeigneten Maßnahmen gehören:

  • Persönliche Ansprache von Care Leavern - möglichst schon vor Ende der Jugendhilfemaßnahme 
  • Förderung von sanften Übergängen und kontrollierte Ablösung von langjährigen Pflegepersonen 
  • Bereitstellung von Ansprechpartnern mit Wissen und Erfahrung in den Fragen rund um Verselbständigung und Berufsfindung
  • Förderung von Selbsthilfe durch Vernetzung der Betroffenen
  • Vernetzung mit bestehenden Initiativen und entstehenden Angeboten in diesem Bereich (z. B. www.careleaver.de)
  • Beratung und Begleitung von Pflegepersonen beim Übergang der Betreuten

Unseren Care Leaver-Flyer finden Sie in der Mediathek.

Weitere Informationen:
www.careleaver.de
www.igfh.de/cms/nachrichten/jugendhilfe-und-dann-care-leaver-haben-rechte-positionspapier-jetzt-online

Erziehungspaten

Als „nachbarschafts- bzw. verwandtenähnliche Hilfe“ stehen Erziehungspaten Familien in schwierigen Situationen zur Seite. Auf ihre alltagspraktische Aufgabe sind sie auch theoretisch bestens vorbereitet; das Erziehungsbüro Rheinland, das Jugendamt und andere Unterstützungsorganisationen im Umfeld begleiten ihre Arbeit. Erziehungspaten werden beispielsweise tätig, wenn es familiäre Krisen gibt oder die Eltern überfordert sind, wenn es Beziehungsprobleme, Verhaltensauffälligkeiten, schulische Defizite oder emotionale Mängel gibt. Dann helfen Erziehungspaten den Familien dabei, sich mit den Besonderheiten des jeweiligen Kindes oder Jugendlichen zu beschäftigen. Sie gestalten Beziehungsangebote, helfen den Familien, ihre Ressourcen zu aktivieren, fördern die Kinder in alltags- und schulrelevanten Anforderungen und rufen vertrauensbildende Maßnahmen ins Leben.

Kinderschutz

Der Paragraph 8a im Kinder- und Jugendschutzgesetz regelt den so genannten Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung. Wenn also Kinder vor ihrer Herkunftsfamilie in Schutz genommen werden müssen, werden die Behörden tätig. In diesen Krisenfällen kümmert sich das EBR kompetent um eine Unterbringung der Kinder in geeigneten Fachpflegestellen.

Mehrere Mitarbeiter des EBR sind qualifizierte Kinderschutzbeauftragte nach §8a SGB VIII. Weitere Mitarbeiter und Berater sind entsprechend geschult. Ständige Fortbildung der Kinderschutzbeauftragten sowie die Vernetzung des Trägers mit anderen Trägern und Organisationen der Jugendhilfe, die sich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Jugendhilfe verschrieben haben, tragen zu einem kompetenten Umgang mit dem Thema bei.

Das EBR verpflichtet sich zur Einhaltung und Dokumentation des Kinderschutzes in allen Sozialpädagogischen Lebensgemeinschaften und Erziehungsstellen. Alle sogenannten 8a-Fälle werden an die dafür zuständigen Stellen (Jugendämter, Sorgeberechtigte, Bezugspersonen der betroffenen Kinder und Jugendlichen) gemeldet.

Das EBR hat einen eigenen Meldebogen entwickelt, mit dem kritisches, möglicherweise grenzverletzendes Verhalten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einerseits sowie der Erziehungseltern andererseits erfasst und dokumentiert wird. Interne Kinderschutzinstrumente entwickelt das EBR ständig weiter, indem es das Thema regelmäßig in Besprechungen und Veranstaltungen aufgreift sowie den Austausch mit externen Trägern pflegt.

Patenfamilien für Pflegefamilien mit chronisch kranken oder behinderten Kindern

Familien mit chronisch kranken und behinderten Kindern erhalten durch Sonderpädagogische Patenfamilien ein umfangreiches Unterstützungsangebot, das es ihnen ermöglicht, den Belastungen der Betreuung, Erziehung und Pflege ihres kranken oder behinderten Kindes dauerhaft gerecht zu werden. Sonderpädagogische Patenfamilien entlasten leibliche Eltern und verschaffen ihnen die Möglichkeit, Auszeiten von der Pflege und Betreuung ihres behinderten Kindes zu nehmen, Sozialkontakte zu pflegen sowie regelmäßige Erholungsphasen zu nehmen. Sonderpädagogische Patenfamilien sind darüber hinaus wichtige Gesprächspartner für leibliche Eltern. Sie können ihnen in schwierigen Zeiten zur Seite stehen sowie sie darin stärken, die Behinderung oder Erkrankung ihres Kindes anzunehmen und eine positive Lebenseinstellung zu gewinnen.

Regenbogenfamilien

Das Erziehungsbüro begleitet schon seit vielen Jahren Regebogenfamilien in Form von Erziehungsstellen und Sozialpädagogischen-Wohngemeinschaften (SPLG). Aber was genau ist eine Regenbogenfamilie?

Der Begriff „Regenbogenfamilie“ leitet sich von der Regenbogenflagge ab, die seit den 70er-Jahren als internationales Symbol für Menschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben, dient und für den lesbischen, schwulen, bisexuellen und transsexuellen Stolz sowie gleichzeitig die Vielfalt dieser Lebensweisen steht.

Im Duden wird die Regenbogenfamilie seit 1990 mit den Worten „Familie mit gleichgeschlechtlichem Elternpaar“ erklärt. …

Diese Familienform kann dabei ganz unterschiedlich sein: 

  • Kinder aus früheren heterosexuellen Beziehungen, die jetzt Teil der gleichgeschlechtigen Beziehung sind
  • Regenbogenfamilien, die durch eine künstliche Befruchtung, die Bechermethode oder eine Adoption zur Familie geworden sind
  • Gleichgeschlechtliche Paare, die im Rahmen der Hilfen zur Erziehung (§33 & §34 SGB VIII) ein oder mehrere Kinder als „qualifizierte“ Person in ihre Familie aufnehmen

In den letzten Jahren wurde das Interesse an Regenbogenfamilien größer und so wurde 2009 die erste deutsche Studie über Lebenssituation in Regenbogenfamilien in Deutschland veröffentlicht. Dazu hatte das Bundesjustizministerium (BMJ) eine große Studie zu der Lebenssituation in Regebogenfamilien durchgeführt, jedoch wurden dabei eher Mütter-Familien beachtet und weniger Familien mit schwulen Vätern.

2011 folgte dann die Studie „Wir sind Eltern – Eine Studie zur Lebenssituation von Kölner Regenbogenfamilien“. In dieser Studie war das Ziel, die Lebenssituation von Kölner Regenbogenfamilien zu analysieren und daraus abzuleiten, welche Unterstützungsangebote in Köln wichtig sind, bisher genutzt werden oder noch ausgebaut werden müssen.

Gleichzeitig sollten eventuelle Problematiken der Kölner Familienpolitik aufgedeckt werden, damit im zweiten Schritt ggf. Veränderungen vorgenommen werden können.

Hier finden Sie die Zusammenfassung der Kölner Studie.

Trotz dieser Studien gibt es noch kein „umfassendes Bild“ über Regenbogenfamilien in Deutschland. Erst durch die Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft im Jahr 2001 in Deutschland und die darauffolgenden Gesetzesänderung 2005 bezüglich der Stiefkindadoption, sowie die Gleichstellung im Jahr 2013 (bezogen auf die Einkommensteuer), hat dazu geführt, dass auch Regebogenfamilien einige gesellschaftliche Privilegien der konventionellen Familien genießen dürfen. Dennoch ist es noch ein weiter Weg, bis homosexuelle Eltern die gleichen Rechte haben wie heterosexuelle Eltern.

Neben den erwähnten Studien gibt es zahlreiche Studien aus dem angloamerikanischen Raum, die viele wertvolle Ergebnisse vorweisen und evtl. Vorbehalte gegenüber Regenbogenfamilien entkräften. An dieser Stelle werden dazu nur einige Kernaussagen benannt:

  • Kinder aus Regenbogenbogenfamilien sind genauso oft heterosexuell orientiert wie Kinder aus heterosexuellen Familien
  • Das Geschlecht der Regenbogenfamilien scheint auf die Einstellungen und das Verhalten der Kinder zu wirken und nicht die sexuelle Orientierung
  • Eine Mehrheit der Kinder aus Regenbogenfamilien erlebt keine Diskriminierung auf Grund der Familienkonstruktion. Wenn es negative Erfahrungen gibt, können die Kinder i.d.R. damit konstruktiv umgehen und werden von ihren Eltern gut dabei begleitet
  • Kinder aus Regenbogenfamilien reflektieren ihre sexuelle Orientierung bewusster
  • Die Kinder wachsen in einem oft toleranteren Milieu auf
  • Regenbogenfamilien entscheiden sich sehr bewusst für Kinder und nehmen dazu viele Hürden auf sich

Lesen Sie weitere Informationen zum Thema Regenbogenfamilien in NRW.

Das Erziehungsbüro Rheinland möchte die Vielfalt von „Familie“ mitgestalten und unterstützt aus Überzeugung das Familienmodell „Regenbogenfamilie“.

Am 26. Oktober 2016 haben sich die Mitarbeiter/innen des Erziehungsbüro Rheinland Guido Wedemann und Maike Spanger in Kooperation mit Sarah Dionisius vom Rubicon mit interessierten Teilnehmer/innen im Rubicon Köln getroffen. Lesen Sie hier mehr über diesen offenen Austausch über das Thema Regenbogenfamilien und Pflegekinder.

Haben Sie weitere Fragen, dann rufen Sie uns an. Ansprechpartner ist Guido Wedemann (Tel.: 0221 720262 26)

Mehr als Familie – wir suchen Regenbogenfamilien

Haben Sie Lust, als Profi mit Kindern zusammenzuleben?

Traumatisierte Kinder und Jugendliche haben ganz eigene, spezifische Bedürfnisse nach Schutz, Geborgenheit, Stabilität und Struktur. Wir laden interessierte pädagogisch geschulte (Regenbogen)Familien und Personen ein, diesen Kindern ein neues Zuhause zu geben. Werden Sie Erziehungsstelle oder Sozialpädagogische-Lebensgemeinschaft.

Leben Sie als Profi mit Kindern – die Vielfalt zählt! 

Aktuelles

Demonstration für die Rechte von Kindern mit Behinderung in Pflegefamilien

am 20.06.2017, organisiert durch den Bunderverband behinderter Pflegekinder (BbP) . Wir sind dabei. Sie auch?

fWir sind jetzt auch dabei und freuen uns bereits über viele Besucher auf unserer Facebookseite, mit der wir ein weiteres Netzwerk für unsere Erziehungsstellen, SPLG´s, Kooperationspartner und Interessierte schaffen.


Lesen Sie auch unseren Artikel Bedarfe von und notwendige Rahmenbedingungen für Pflegeeltern beim Zusammenleben mit behinderten Pflegekindern mit dem wir in der Zeitschrift DAS JUGENDAMT vertreten sind.


In unserer Mediathek finden Sie ein neues Videos "vom Kämpfen und Kümmern - Leben mit behinderten Pflegekindern"


Regenbogenfamilie

Das Erziehungsbüro Rheinland möchte die Vielfalt von „Familie“ mitgestalten und unterstützt aus Überzeugung das Familienmodell „Regenbogenfamilie“ (verlinkte Seite alphatetisch geordnet)


Video


Das EBR ist Mitbegründer des Aktionsbündnis Kinder mit Behinderungen in Pflegefamilien und unterstützt ausdrücklich die Initiative, behinderten Kindern das Aufwachsen in einer Pflegefamilie zu ermöglichen.

ganz Ohr

Ganz OhrFür unsere Kinder und Jugendlichen:
Wenn es mal nicht so gut läuft und Probleme auftauchen findest du hier ein offenes Ohr für deine Sorgen.

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